Chanukka: Eine kleine Flamme, die alles verändert
Autor: Jonas Mages

(English version below)
Als der Tempel in Jerusalem nach den Kämpfen des Makkabäeraufstands wieder betreten wurde, war fast nichts Verwendbares geblieben. Ein kleines Gefäß geweihten Öls fand sich noch - eigentlich zu wenig, um den Leuchter länger als einen Tag brennen zu lassen. Dass das Licht acht Tage hielt, wurde später zum Kern der Chanukka-Erzählung: Ein Neuanfang, der unter knappen Bedingungen gelingt. Die acht Tage währende Flamme und der erfolgreiche Makkabäeraufstand sind jene zwei Wunder, welche Jüdinnen und Juden, in Nürnberg und überall auf der Welt, als die Chanukka-Wunder kennen.
In Kalender fällt Chanukka in dieselbe Jahreszeit wie Advent und Weihnachten. Die Stadt leuchtet: Lichterketten, Kerzen, Christkindlesmarkt. Beim Advent wie auch bei Chanukka geht es auf jeweils eigene Weise um Hoffnung, Wärme und den Wunsch, in dunklen Zeiten ein Zeichen zu setzen. Diese Nähe hat schon im 19. Jahrhundert jüdische Familien beeinflusst. Manche übernahmen Elemente des bürgerlichen Winterbrauchtums, stellten einen „Chanukkabusch“ auf oder gaben Geschenke: ein Phänomen, das man später „Weihnukka“ nannte. Es war weniger eine Vermischung der Religionen als Ausdruck deutsch-jüdischen Alltagslebens: zwei Festzeiten, die nebeneinander bestehen und auf ihre Art vom Licht erzählen.
Der Kern von Chanukka bleibt jedoch die einfache, rituelle Handlung: Jeden Abend wird ein weiteres Licht entzündet. Sichtbar im Fenster, zur Straße hin. Das Licht soll nicht privat bleiben, sondern erzählt öffentlich von einem Neuanfang: damals im Tempel, später in jüdischen Häusern Europas, heute auch in jüdischen Haushalten in Nürnberg.
Zu Hause wird Chanukka in der Familie gefeiert: Lichter anzünden, Segenssprüche, gemeinsames Essen, Lieder und Spiele. Kinder bekommen oft kleine Geldgeschenke - ein Teil davon wird traditionell für wohltätige Zwecke gegeben, eines der religiösen Gebote im Judentum, auch Mitzvot genannt. Das Dreidelspiel, ein einfacher Kreisel mit hebräischen Buchstaben, gehört ebenfalls dazu und sorgt traditionell für Unterhaltung.
Die große Chanukkia dieser Ausstellung steht genau dafür. Sie verbindet eine alte Geschichte mit einer Stadt, die in der Adventszeit selbst im Licht steht. Sie lädt ein, jüdischem Leben zu begegnen - nicht versteckt, sondern sichtbar, offen und neugierig. Ein Funken reicht, wenn man ihn weitergibt.
(english version - translation by Jan-Bernd Meyer)
When the Temple in Jerusalem was re-entered after the battles of the Maccabean revolt, almost nothing usable remained. A small container of consecrated oil was found—actually too little to keep the menorah burning for more than a day. That the light lasted for eight days later became the core of the Hanukkah story: a new beginning achieved under scarce conditions. The eight-day flame and the successful Maccabean revolt are the two miracles that Jews in Nuremberg and around the world recognize as the Hanukkah miracles.
Hanukkah falls in the same season as Advent and Christmas. The city shines with lights: strings of lamps, candles, and the Christkindlesmarkt. Both Advent and Hanukkah are, in their own ways, about hope, warmth, and the desire to create a visible sign during dark times. This proximity already influenced Jewish families in the 19th century. Some adopted elements of bourgeois winter customs, set up a “Hanukkah bush,” or gave gifts—a phenomenon later called “Weihnukka.” It was less a mixing of religions than an expression of German-Jewish everyday life: two festive seasons coexisting, each telling a story about light in its own way.
The essence of Hanukkah, however, remains a simple ritual: each evening, another candle is lit. Visible in the window, facing the street. The light is not meant to remain private but publicly tells of a new beginning: first in the Temple, later in Jewish homes across Europe, and today in Jewish households in Nuremberg.
At home, Hanukkah is celebrated with family: lighting candles, reciting blessings, sharing meals, singing songs, and playing games. Children often receive small monetary gifts—part of which is traditionally given to charity, one of Judaism’s religious commandments, known as mitzvot. The dreidel game, a simple spinning top with Hebrew letters, is also a traditional source of entertainment.
The large menorah in this exhibition embodies exactly that. It connects an ancient story with a city that is itself illuminated during the Advent season. It invites visitors to encounter Jewish life—not hidden, but visible, open, and curious. One spark is enough—if it is shared.




